"Internetpräsenz ist für Bibliotheken heute Pflichtprogramm"

27.02.2008

Zusätzliche digitale Dienste führen allerdings oft zu Finanzierungsproblemen.

"Bibliotheken sind als Kulturstätten längst keine reinen Aufbewahrungsorte für Bücher mehr, sondern gewährleisten einen Zugang zu Wissen mit unterschiedlichen Medien", stellte Staatsminister Gernot Erler in seiner Eröffnungsrede zur Konferenz "Free Access and Digital Divide" in Berlin fest. Bei der gestern, Freitag, zu Ende gegangenen Tagung des internationalen Dachverbandes der Bibliotheksvereinigungen (IFLA) diskutierten mehrere hundert Experten über die Rolle der Bibliothek in der modernen Wissensgesellschaft. Diese seien auch in Zeiten von Wikipedia und Google "unersetzliche Bildungseinrichtungen" ohne die eine Gesellschaft nicht vorstellbar sei, betonte Erler.

"Der Stellenwert von Bibliotheken zur Wissensgewinnung kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden", erklärt Barbara Schleihagen, Geschäftsführerin des Deutschen Bibliothekenverbandes (dbv) auf Anfrage. Vor allem für mediale Laien stelle der Gang zur Bücherei immer noch eine wichtige Möglichkeit dar, um sich ein bestimmtes Wissen aneignen zu können. Für Bibliotheken sei es aber auch wichtig zu erkennen, dass man sich der technologischen Entwicklung stellen müsse. "Die Struktur der Bibliotheken hat sich im Laufe von Tausenden von Jahren zunehmend ausgeweitet", schildert Schleihagen. Auch im Internetzeitalter habe sich die Branche neu aufgestellt. "Eine eigene Internetpräsenz gehört heute zum Pflichtprogramm für Bibliotheken", meint Schleihagen.

"Entscheidendes Argument für die Benützung einer Bibliothek ist der Mehrwert, den sie dem Nutzer bieten", betont Schleihagen. Vor allem die Qualität der gebotenen Auswahl sei in diesem Zusammenhang hervorzuheben. Aber auch die kompetente Beratung durch eigene Mitarbeiter und die Bereitstellung sowohl unterschiedlicher Print- als auch elektronischer Medien seien als Vorteile gegenüber der Suche im Internet zu nennen. "Hinzu kommt, dass die Bibliothek nicht nur ein kreativer, sonder auch ein sozialer Ort ist", so Schleihagen.

Problematisch sehe es für die Bibliotheken-Branche zur Zeit allerdings in finanzieller Hinsicht aus. "Wir führen einen Kampf an zwei Fronten. Einerseits nehmen wir unsere traditionellen Aufgabengebiete weiterhin wahr. Andererseits müssen wir dem Nutzer heute auch digitale Serviceleistungen bieten", erläutert Schleihagen die Problematik. Der Knackpunkt ergebe sich auf finanzieller Seite daraus, dass Bibliotheken in Deutschland als freiwillige Aufgabe der regionalen Kommunen definiert sind. "Bibliotheken können für eine Kommune sehr viel leisten und sollten daher als Pflichtaufgabe festgelegt werden", fordert Schleihagen. Entsprechende Gespräche mit Vertretern aus der Politik seien bereits im Gange. "Was die Situation der Bibliotheken betrifft, sehe ich der Zukunft insgesamt sehr optimistisch entgegen", so Schleihagen abschließend.

Von: eCOMM / pressetext.de

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