Online-Werbeausgaben brechen erstmals ein

15.07.2009

Experte rechnet jedoch mit Beruhigung des Marktes

Die Bruttowerbeinvestionen im Internet haben im Juni in Deutschland erstmals einen Rückgang verzeichnet, wie Nielsen Media Research gestern (Mittwoch) bekannt gegeben hat. Damit folgen erstmals auch die Online-Werbeausgaben dem negativen Trend der klassischen Medien (Rundfunk, Printmedien, Kino), die sich bereits seit Längerem in Turbulenzen befinden. Insgesamt steht hinter der Entwicklung der Onlinewerbung im ersten Halbjahr 2009 jedoch ein klares Plus von 63 Mio. Euro bzw. 9,5 Prozent. In der Gesamtheit wurden im Zeitraum Januar bis vergangenen Juni 734 Mio. Euro an Werbegeld im Internet investiert. Auch wenn die ersten fünf Monate des Jahres positiv verliefen, wird das Absacken im Juni (minus sechs Prozent) von Nielsen als Indikator dafür gewertet, dass sich die Wirtschaftskrise auch im Internet niederschlägt.

Volker Nickel vom Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft e.V. sieht die Wirtschaftskrise längst im Online-Bereich angekommen. "2007 war in diesem Segment noch 39 Prozent an Wachstum zu verzeichnen, 2008 waren es nur mehr neun Prozent", sagt Nickel. Auch strukturelle Probleme, wie sinkende Auflagenzahlen bei Printmedien und die veränderte TV-Nutzung, würden sich in den Zahlen niederschlagen. Die Befürchtung, dass sich das Werbegeschäft von Printmedien und Rundfunk rapide ins Internet verlagert, hätte sich ebenfalls nicht bewahrheitet, so Nickel. Für die zweite Jahreshälfte 2009 rechnet der Experte mit einer abklingenden Wirtschaftskrise, die sich letztlich auch positiv im Investitionsvolumen der Werbetreibenden niederschlagen wird. "In diesem Jahr werden wir wahrscheinlich auf ein Minus von fünf bis acht Prozent, im schlimmsten Falle also eine Mrd. Euro weniger an Werbeausgaben, kommen." Für 2010 erwartet Nickel eine Stagnation der Investitionen.

Im Vergleich zum Online-Investitionsvolumen mussten die klassischen Medien im vergangenen halben Jahr abermals ein Minus von 3,3 Prozent verkraften. Besonders betroffen sind das Segment Kino, das ein Werbe-Minus von 26,9 Prozent aufweist, sowie Publikumszeitschriften, in denen um 15,6 Prozent weniger geworben wurde. TV und Tageszeitungen verloren ebenfalls an Werbeeinnahmen, der Rückgang (TV minus 0,4 Prozent, Tageszeitungen minus 0,8 Prozent) hält sich jedoch einigermaßen in Grenzen. Eine Stagnation war im Segment Radio festzustellen (minus 0,1 Prozent), ganz im Gegenteil zu Fachzeitschriften, die 8,7 Prozent einbüßen mussten. Die Plakatwerber legten als einzige im Segment der klassischen Medien zu und investierten 9,7 Prozent mehr als im selben Zeitraum des Vorjahres. Summa summarum erwirtschafteten die klassischen Mediengattungen im vergangenen halben Jahr 9,8 Mrd. Euro an Werbeeinnahmen. Als Hauptinvestoren im Online-Segment traten abermals Online-Dienstleister, E-Commerce-Unternehmen sowie die Unternehmenswerbung hervor. Die "Big Online Spender" waren Esprit (45 Mio. Euro), gefolgt von T-Home (24 Mio.) und Google Germany (16 Mio.).

Gefördert durch: Bundesministerium für Wirtschaft und Energie
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